Häufige Fragen
Wer von einem Trauma betroffen ist – selbst oder als nahestehender Mensch –, trägt oft viele Fragen mit sich herum. Manchmal sind es Fragen, die man sich kaum laut zu stellen traut. Hier finden Sie Antworten auf einige dieser Fragen.
Wenn Ihre Frage nicht dabei ist, schreiben Sie mir gerne. Es gibt keine falschen Fragen.
Für Betroffene
Was ist der Unterschied zwischen Traumaberatung und Traumatherapie?
Diese Frage ist wichtig, und ich beantworte sie gerne offen.
Traumatherapie ist eine heilkundliche Behandlung. Sie wird von approbierten Psychotherapeut*innen oder Heilpraktiker*innen für Psychotherapie durchgeführt. Dort wird das Erlebte gezielt bearbeitet.
Traumafachberatung setzt an einer anderen Stelle an. Im Mittelpunkt stehen:
- verstehen, wie Trauma wirkt und warum bestimmte Reaktionen normal sind
- Stabilität im Alltag finden
- eigene Ressourcen entdecken und stärken
- Wege kennenlernen, mit Stress und starken Gefühlen umzugehen
Die Beratung ersetzt keine Psychotherapie. Sie kann aber eine wertvolle Begleitung sein: vor einer Therapie, während der Wartezeit auf einen Therapieplatz oder parallel dazu. Für Angehörige ist sie oft der passende Ort, weil hier ihre eigene Situation im Mittelpunkt steht.
Wenn ich den Eindruck habe, dass Sie therapeutische Unterstützung brauchen, sage ich Ihnen das ehrlich und helfe Ihnen gerne bei der Suche.
Muss ich in der Beratung über das Erlebte sprechen?
Nein. Sie bestimmen, was Sie erzählen möchten und was nicht.
In der Traumafachberatung geht es nicht darum, belastende Erinnerungen im Detail durchzugehen. Im Vordergrund stehen das Hier und Jetzt: Was hilft Ihnen heute? Was gibt Ihnen Halt? Wie können Sie mit schwierigen Momenten besser umgehen?
Wir gehen in Ihrem Tempo. Wenn ein Thema zu viel wird, halten wir inne. Sie dürfen jederzeit „Stopp“ sagen – das ist kein Abbruch, sondern ein wichtiger Teil der Arbeit.
Mir ist wichtig, dass Sie sich in unseren Gesprächen sicher fühlen. Deshalb können wir uns auch online treffen oder bei einem Spaziergang an der frischen Luft sprechen, wenn Ihnen das leichter fällt.
Ist das, was ich erlebt habe, „schlimm genug“ für eine Beratung?
Diese Frage stellen sich viele Betroffene. Oft vergleichen sie ihr Erleben mit dem anderer Menschen und denken: „Anderen ist viel Schlimmeres passiert.“
Ob ein Erlebnis Spuren hinterlässt, hängt nicht davon ab, wie es von außen aussieht. Entscheidend ist, wie es Sie innerlich getroffen hat und wie es heute in Ihrem Leben nachwirkt. Wiederkehrende Ängste, innere Unruhe, Rückzug oder das Gefühl, nicht mehr ganz bei sich zu sein, sind ernst zu nehmende Signale.
Sie brauchen keinen „guten Grund“ und keine Diagnose, um sich Unterstützung zu holen. Wenn etwas Sie belastet, ist das Grund genug.
Für Partner*innen und Angehörige
Mein Partner / meine Partnerin hat ein Trauma – was kann ich tun?
Dass Sie sich diese Frage stellen, zeigt bereits, wie viel Ihnen an Ihrem Menschen liegt. Viele Partner*innen fühlen sich hilflos, weil sie das Verhalten des anderen nicht verstehen und nichts falsch machen möchten.
Das Wichtigste vorweg: Sie müssen das Trauma nicht „lösen“. Das ist weder Ihre Aufgabe noch möglich. Was Sie geben können, ist etwas sehr Wertvolles: Verlässlichkeit, Geduld und das Gefühl, nicht allein zu sein.
Hilfreich ist oft:
- Verstehen statt bewerten. Rückzug, Gereiztheit oder Misstrauen sind häufig Schutzreaktionen und kein Zeichen mangelnder Liebe.
- Sicherheit schenken. Vorhersehbarkeit, ruhige Absprachen und ein respektvoller Umgang mit Grenzen geben Halt.
- Nicht drängen. Ihr Gegenüber entscheidet selbst, wann und wie viel erzählt wird.
- Professionelle Hilfe ermutigen, ohne Druck auszuüben.
In der Beratung schauen wir gemeinsam auf Ihre konkrete Situation. Sie erfahren, wie Trauma wirkt, und entwickeln eigene Wege, die zu Ihnen und Ihrer Beziehung passen.
Wie kann ich unterstützen, ohne mich selbst zu verlieren?
Wer einen traumatisierten Menschen liebt, gibt oft sehr viel. Manchmal so viel, dass die eigenen Bedürfnisse leise werden oder ganz verschwinden. Erschöpfung, Traurigkeit oder auch Wut sind dann ganz normale Reaktionen. Sie bedeuten nicht, dass Sie ein schlechter Partner oder eine schlechte Partnerin sind.
Sie dürfen auf sich achten. Mehr noch: Nur wer selbst einigermaßen stabil ist, kann dauerhaft Halt geben.
Das kann helfen:
- Eigene Grenzen kennen und benennen – liebevoll, aber klar.
- Kraftquellen pflegen: Freundschaften, Bewegung, Hobbys, Zeit nur für Sie.
- Mit jemandem sprechen, der nicht Teil der Beziehung ist.
- Schuldgefühle hinterfragen. Sie sind nicht verantwortlich für das, was Ihrem Menschen passiert ist.
In der Beratung ist Raum für genau das: für Ihre Gefühle, Ihre Erschöpfung und Ihre Fragen. Hier geht es einmal nur um Sie.
Warum zieht sich mein*e Partner*in plötzlich zurück oder reagiert so heftig?
Vielleicht kennen Sie das: Eben war noch alles gut, und plötzlich ist Ihr Gegenüber wie verschlossen, gereizt oder kaum erreichbar. Das ist verwirrend und kann sehr verletzen.
Nach einem Trauma bleibt das Nervensystem oft in Alarmbereitschaft. Ein Geräusch, ein Geruch, ein Tonfall oder eine bestimmte Situation kann unbewusst an das Erlebte erinnern. Man spricht dann von einem Trigger. Der Körper reagiert, als wäre die Gefahr von damals wieder da: mit Kampf, Flucht oder innerem Erstarren.
Diese Reaktionen richten sich in der Regel nicht gegen Sie. Sie sind ein Versuch, sich zu schützen.
Was Sie tun können:
- Ruhig bleiben und nicht persönlich nehmen, so gut es geht.
- Raum lassen, aber Nähe anbieten: „Ich bin da, wenn du mich brauchst.“
- In ruhigen Momenten gemeinsam besprechen, was in solchen Situationen hilft.
In der Beratung lernen Sie, solche Momente besser einzuordnen – und Sie bekommen Ideen, wie Sie gut für sich sorgen, wenn es schwierig wird.
Darf ich als Angehörige*r alleine zur Beratung kommen?
Ja, sehr gerne. Es ist völlig in Ordnung, zunächst alleine zu kommen.
Vielleicht möchte Ihr*e Partner*in (noch) keine Unterstützung. Vielleicht befindet sich die betroffene Person bereits in Therapie, und Sie merken, dass auch Sie einen Ort für sich brauchen. Oder Sie möchten erst einmal für sich sortieren, was da eigentlich passiert.
Alles, was Sie in der Beratung erzählen, bleibt vertraulich. Es ist Ihr Raum.
Wenn es später passt, können Sie auch gemeinsam als Paar kommen. Dann schauen wir zusammen darauf, wie Sie Ihr Miteinander traumasensibel gestalten können.
Für Paare
Wann ist eine Beratung als Paar sinnvoll?
Ein Trauma wirkt oft mitten in die Beziehung hinein. Nähe kann sich plötzlich bedrohlich anfühlen, Missverständnisse häufen sich, und beide fühlen sich manchmal allein, obwohl sie zusammen sind.
Eine gemeinsame Beratung kann hilfreich sein, wenn Sie:
- immer wieder in dieselben Konflikte geraten und nicht wissen, warum
- besser verstehen möchten, wie das Trauma Ihr Miteinander beeinflusst
- eine gemeinsame Sprache für schwierige Momente finden möchten
- wieder mehr Sicherheit und Verbundenheit erleben möchten
Wichtig ist, dass sich beide freiwillig dafür entscheiden.
Muss die betroffene Person in der Paarberatung über ihr Trauma sprechen?
Nein. In der Paarberatung geht es nicht um die Einzelheiten des Erlebten, sondern um Ihre Beziehung im Hier und Jetzt. Wir schauen darauf, wie sich das Trauma im Alltag zeigt und was Ihnen beiden guttut.
Jede Person entscheidet selbst, was sie teilen möchte. Grenzen werden respektiert – von mir und, mit etwas Übung, auch voneinander.
Was, wenn nur eine*r von uns kommen möchte?
Das ist völlig in Ordnung. Manchmal ist es für die betroffene Person noch zu früh, oder sie ist bereits in therapeutischer Begleitung. Dann kann es sinnvoll sein, dass zunächst eine Person alleine kommt.
Auch das verändert oft etwas in der Beziehung. Und wenn es später passt, ist eine gemeinsame Beratung jederzeit möglich.
Wie läuft ein erstes Gespräch ab?
Der erste Schritt ist oft der schwerste. Deshalb möchte ich ihn Ihnen so leicht wie möglich machen.
- Kontakt aufnehmen: Sie schreiben mir eine E-Mail oder rufen mich an. Ein paar Sätze zu Ihrem Anliegen genügen.
- Termin finden: Wir vereinbaren einen Termin – in München, online oder bei einem Spaziergang.
- Kennenlernen: Im ersten Gespräch erzählen Sie, was Sie zu mir führt, so viel oder so wenig Sie möchten. Ich erkläre Ihnen, wie ich arbeite, und beantworte Ihre Fragen.
- Gemeinsam entscheiden: Danach schauen wir, ob und wie wir weiter zusammenarbeiten. Sie gehen keine Verpflichtung ein.
Wichtig ist mir vor allem eines: dass Sie sich wohl fühlen. Die Chemie zwischen uns muss stimmen, denn Vertrauen ist die Grundlage jeder guten Beratung.
Was tun in einer akuten Krise?
Die Beratung ist kein Notfallangebot. Wenn Sie oder ein Mensch in Ihrer Nähe sich in einer akuten Krise befinden, holen Sie sich bitte sofort Hilfe:
- Krisendienst Bayern: 0800 655 3000 (rund um die Uhr, kostenfrei)
- TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
- Bei akuter Gefahr: Notruf 112
Ich bin für Sie da
Wenn Sie spüren, dass Sie Unterstützung möchten, melden Sie sich gerne. Sie müssen nicht alles alleine tragen.
